Irgendwas mit Medien

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Marisa Müller

Super trendy, mega hip – die Medienbranche boomt, und viele wollen ein Teil davon sein. Diese beiden sind es wirklich: Sarah Diedrich und Kerstin Wagner haben sich für eine Ausbildung zur Mediengestalterin entschieden.

Coole Typen in der Medienbranche: Stylisch und immer fürchterlich beschäftigt. Handy am Ohr, Messenger-Bay am Arm, frozen Haselnuss-Latte-Macchiato laktosefrei in der Hand. Im TV läuft diese Spezies Mensch erfolgreich durch die Welt. Immer einen Spruch parat, Partys, Reisen und die ebenso perfekten Freunde an der Seite. Der Anti-Held ,Medienmensch‘ dagegen wird hier eher pleite und arbeitslos inszeniert: Er führt ein wahres Lotterleben, hat im besten Fall aber irgendwann den großen Durchbruch.

In Rosdorf bei der Werbeagentur P.O.S. Kresin Design gibt es weder das eine noch das andere Phänomen zu bestaunen. Kerstin Wagner und Sarah Diedrich sind Teil des kreativen Teams, das sich besonders auf die Betreuung regionaler Marken spezialisiert hat: Komplette Werbe- Kampagnen mit Kinospot, Plakate, Promo-Aktionen, Flyer, Visitenkarten, Verpackungen, Anzeigen werden innovativ und ausgefallen umgesetzt. Sarah hat ihre Ausbildung bei P.O.S. im Juni bereits erfolgreich beendet und eine Festanstellung im Unternehmen ergattern können. „Schwierig in der Branche, denn die Konkurrenz ist riesengroß und die Stellen rar“, erklärt die 24-Jährige, und Kerstin, die seit einem Jahr mit dabei ist, ergänzt: „Deshalb gibt es auch so viele ‚Freie Mitarbeiter‘, die sich aus der Not heraus in die Selbständigkeit begeben.“

Kerstin selbst hat sich mit ihren 33 Jahren erst recht spät für die Ausbildung bei P.O.S. entschieden. Auf den zweiten Blick wirkt diese Entscheidung allerdings nur konsequent: „Nach der Schule bin ich zunächst Grafikassistentin geworden, danach kam das technische Fachabitur, denn ursprünglich wollte ich noch studieren“, sagt sie. Stattdessen ließ sie sich jedoch zur Krankenschwester ausbilden. „Weil Schichtdienst und Familie aber nicht zusammen funktionieren, habe ich mich dann allerdings entschieden, wieder zum Anfang zurückzugehen“, erklärt die angehende Mediengestalterin. Sie verbucht Misserfolge oder Sackgassen stets als neu dazugewonnene Erkenntnisse und beweist damit, dass es nicht immer nur einen einzigen und geraden Weg geben muss.

Die beiden mögen ihren Beruf, ihr Team und die kreative Leistung, die hinter jedem einzelnen Projekt steckt. Kerstin hat gerade ihr erstes eigenes Projekt übernommen: eine Festzeitschrift zu einem großen Jubiläum. „Aber nicht altbacken, ganz neu sollen die Ideen dazu sein“, erklärt sie und lächelt. Dass Spaß an erster Stelle steht, ist auch für Sarah äußerst wichtig. Und der komme beim Arbeiten. „Wenn die ganzen Ideen aus meinem Kopf endlich raus dürfen, etwas Neues daraus entsteht und das am Ende sogar noch anderen Menschen gefällt – dann bin ich total glücklich.“

Am Computer designen die beiden alles, was grafisch möglich ist. „Neulich hatten wir zum Beispiel den Werbeflyer einer Firma auf dem Tisch, der geändert werden musste. Das Team des Unternehmens hatte sich vergrößert. Da haben wir – nun ja – etwas ‚gebastelt‘ und die Köpfe der Neuen kurzerhand ins Bild montiert“, erklärt Sarah.

Allgemein sei der Praxisbezug in ihrer Ausbildung bei P.O.S. groß und abwechslungsreich. „Das liegt am Unternehmen“, erklärt Kerstin. „In einer Druckerei arbeiten beispielsweise auch Mediengestalter. Die arbeiten aber in anderen Bereichen, weniger kreativ und gestalterisch.“ Es sei wichtig, sich im Vorfeld über die Arbeitgeber zu informieren. Denn längst nicht überall würde auch das gelehrt, was eigentlich Inhalt der Ausbildung sein sollte.

Sarah hat dafür den ultimativen Rat parat. „Praktikum – auf jeden Fall! Und das rechtzeitig, also noch während der Schulzeit.“ Die 24-Jährige weiß, wovon sie spricht. „Nach meinem Schulabschluss folgten erst einmal zwei verzweifelte Monate, in denen ich nicht wusste, was ich werden soll. Mir hätte diese Erfahrung auf jeden Fall geholfen.“ Aber das ist längst Vergangenheit.

In Rosdorf fühlen sich Sarah und Kerstin gut aufgehoben, nicht zuletzt durch die sieben anderen ideenreichen Köpfe der Werbeagentur. „Jeden Dienstag kocht einer von uns, und wir essen gemeinsam“, sagt Sarah, die das familiäre Flair bei P.O.S. sehr zu schätzen weiß. Gegen eine große Agentur möchten beide nicht unbedingt tauschen. Kerstin weiß noch aus ihrer Zeit als Grafikassistentin, wie hart sich die Ellenbogenmentalität in größeren Betrieben anfühlen kann. „Man muss schon sehr durchsetzungsfähig und stark sein, sonst geht man unter“, sagt sie. Besonders für junge Schulabsolventen sei es schwer, sich dieses dicke Fell schnell anzutrainieren.

An Göttingen schätzen beide die Gemütlichkeit. Auch das Lebensgefühl trifft genau ihren Zeitgeist. „Fahrradstadt, überall Bio, eine Menge junge Leute, alles ist in Bewegung, ‚selfmade‘ ist ‚in‘ – das ist super“, sagt Kerstin, die aus der Nähe von Cottbus vor sieben Jahren extra hierher gezogen ist. „Und für größere Kunstausstellungen ist Kassel in der Nähe“, fügt Sarah fröhlich hinzu.

Keine Spur also vom aalglatten Styler-Image. Keine Hipster, die sich selbst zu wichtig nehmen. Die Mediengestalter bei P.O.S. glänzen mit Selbstbewusstsein und Kompetenz.