In Echtzeit

©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Heidi Niemann

Göttinger Forscher Jens Frahm gelingt mit seiner neuesten MRT-Version die weltweite erste Live-Übertragung aus dem Herzen.

Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist eines der wichtigsten Diagnoseverfahren in der Medizin. Den entscheidenden Durchbruch für diese Technologie brachte eine Erfindung aus Göttingen: 1985 entwickelte Jens Frahm mit einer Forschergruppe am Max-Planck- Institut für biophysikalische Chemie die sogenannte ,FLASH‘-Technik (Fast-LowAngle- Shot), die weltweit im Einsatz ist.

Vor Kurzem ist den Göttinger Forschern eine weitere bahnbrechende Innovation gelungen: Mit der neuen Technologie lassen sich erstmals Echtzeit- Filme aus dem Inneren des Körpers mit höchster zeitlicher Auflösung aufnehmen. Patienten der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) profitieren bereits davon. Die Göttinger Forscher machten sich für ihre Weiterentwicklung intelligente Verfahren der numerischen Mathematik zunutze. Durch den Einsatz spezieller Algorithmen lässt sich bereits aus einer geringen Datenmenge ein aussagekräftiges Bild berechnen. Da für die Bildrekonstruktion deutlich weniger Einzelmessungen benötigt werden, können die Forscher mithilfe dieser mathematischen ,Tricks‘ die MRT- Aufnahmen stark beschleunigen.

„Aufgrund der verkürzten Messzeit können wir jetzt Filme mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Bildern pro Sekunde aufnehmen“, erklärt Professor Jens Frahm.

Frahm ist seit 1993 wissenschaftlicher Leiter und Alleingesellschafter der gemeinnützigen Biomedizinischen NMR Forschungs GmbH. Der Biophysiker gilt als einer der Pioniere auf dem Gebiet der MRT-Technologie. Erst die von ihm und seinen Mitarbeitern entwickelte FLASH- Technik machte es möglich, die Kernspintomografie für die Untersuchung an Patienten effizient einzusetzen. Heute finden damit jedes Jahr weltweit etwa 100 Millionen Untersuchungen statt.

Mit der Echtzeit-MRT nehmen die Göttinger Forscher erneut eine weltweite Vorreiterrolle ein. Göttingen ist zudem einer von wenigen Standorten, an denen das neue Verfahren bereits zum Einsatz kommt. Hierfür wurde extra neben dem Uniklinikum ein Spezialgebäude mit zwei Echtzeit-MRT-Geräten gebaut. Vor allem Patienten mit Herzrhythmusstörungen profitieren von der Technik. Die Aufnahmegeschwindigkeit ist so hoch, dass sich auch bei unregelmäßigem Herzschlag Bilder in Echtzeit aufnehmen lassen. Dies war mit dem bisherigen Verfahren nicht möglich. Die UMG-Mediziner können nun dank dieser ,Live‘-Übertragung jeden einzelnen Herzschlag beobachten, sich ein genaues Bild von der Rhythmusstörung machen und ihre Patienten dementsprechend gezielt behandeln.

Zur Person
Die Medizinische Fakultät der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat im Januar ihre höchste jährliche Auszeichnung, die Jacob-Henle-Medaille, an den Physiker Jens Frahm verliehen.
Er wurde damit für seine Lebensleistung auf dem Gebiet der Magnetresonanztomografie (MRT) ausgezeichnet.

HIER gehts zu einem weiteren Artikel über Jens Frahm: http://www.faktor-magazin.de/der-bildbeschleuniger/