Greif nach den Sternen!

©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Marco Böhme

Nobelpreisträger Stefan Hell spricht im Interview und auf der 25. faktor-Business-Lounge am 14. September 2017 über Chancen und Gefahren, die der renommierteste Forschungspreis der Welt mit sich bringt.

Herr Professor Hell, der Titel Ihres Vortrags bei der 25. faktor- Business-Lounge lautet ,Greif nach den Sternen, mit den Beinen am Boden. Eine Geschichte aus der Wissenschaft.‘ Was erwartet den Zuhörer am 14. September?
Ich werde von meinem persönlichen Werdegang als Wissenschaftler erzählen, gespickt mit ein paar Einblicken hinter die Kulissen.

Warum greifen die wenigsten Menschen nach den Sternen, sondern geben sich damit ab, was in Griffweite ist?

Dafür gibt es sicherlich viele unterschiedliche Gründe. Die einen trauen es sich nicht zu, die anderen richten sich ihr Leben einfach so ein. Was auch immer die Gründe für jeden Einzelnen sein mögen – was ich rüberbringen möchte, ist Folgendes: Wenn man sich etwas zutraut, so besteht auch die Chance, etwas Außergewöhnliches zu erreichen. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Außergewöhnliche nicht vollkommen abwegig ist, sondern einen realen Hintergrund hat.

Wie haben Sie entdeckt, wofür Sie ,brennen‘ und wo Ihre Leidenschaft sitzt?

Ich war schon als Schüler fasziniert, zu sehen, wie die Welt in ihrem Innersten funktioniert. Naturwissenschaftliche Phänomene und Modelle haben mich schon immer in den Bann gezogen und tun es auch noch heute.

Sie haben in Ihrer Karriere bei allem Erfolg auch viel Ablehnung erfahren und sind immer wieder an Ihre Grenzen gekommen. Was hat Sie weitermachen lassen? Was ist Ihr Erfolgsfaktor?

Wenn man auf Widerstand stößt, so muss man sich immer fragen, ob dieser Widerstand fundamental-konzeptionell ist, sprich, ob die Idee grundsätzlich falsch ist oder ob es nur widrige Umstände sind. Letztere können mit der Zeit verschwinden, oder die Zeit geht einfach über sie hinweg. Manchmal ist man auch seiner Zeit voraus, aber die Idee an sich ist richtig und daher nicht wirklich aufhaltbar. Dann ist es wichtig, dass man trotz widriger Umstände durchhält und nicht aufgibt. Das setzt aber voraus, dass man über genügend Realitätssinn verfügt, vorübergehende widrige Umstände und unaufhaltbare Entwicklungen zu erkennen.

Wie sind Sie nach dem Nobelpreis auf dem Boden geblieben?

Ich glaube, dass ich mich nie aufgrund des Nobelpreises erhabener gefühlt habe. Sicherlich ist das eine oder andere einfacher geworden. Zum Beispiel kann ich in meinem Job leichter sagen, was ich denke, und ich kann auch mehr bewegen. Dafür ist aber das eine oder andere auch schwieriger geworden. Wie dem auch sei, ich glaube, dass man aufgrund des Nobelpreises nur dann abhebt, wenn man auch schon vorher zum Abheben neigte.

Was ist die größte Veränderung, die der Nobelpreis für Ihr Leben gebracht hat?

Dass ich leichter forschen kann. Plus die zahlreichen Einladungen zu Vorträgen.

Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie noch einmal von vorne beginnen könnten?

Ich hätte viel schneller versucht, in ein Max-Planck-Institut hineinzukommen, nämlich schon als Student oder als Diplomand. Spätestens jedoch als Doktorand.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Zur Person 

Stefan Hell ist Professor und Direktor des Max-Planck-Instituts für Biophysikalische Chemie in Göttingen. 1990 promovierte er mit summa cum laude in Physik an der Universität Heidelberg und habilitierte dort sechs Jahre später in demselben Fach. Seitdem unterrichtet er. 2014 wurde Hell für die Erfindung der STED-Mikroskopie, die es ermöglicht, Moleküle im Inneren von Zellen zu sehen, mit dem Nobelpreis in Chemie ausgezeichnet.

Für die Umsetzung seiner Forschungen in die unternehmerische Praxis wurde er vom Manager Magazin 2014 in die ,Hall of Fame‘ deutscher Erfinder aufgenommen. Im Jahr 2015 zeichnet ihn die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst and Young als ,Enterpreneur of the Year‘ aus.

 

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