Fünf vor zwölf?

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Text von: faktor

Horst Emde, Berater und IT-Experte aus Holzminden, erklärt, warum der digitale Wandel Chefsache ist und nimmt dem Mittelstand Ängste.

Mit der digitalen Transformation haben sich eine Vielzahl neuer Begriffe gebildet wie Internet der Dinge, Digital Workplace, Cloud Computing oder Big Data. Diese Entwicklung erzeugt bei vielen Unternehmen und Beschäftigten Ängste und Sorgen. Und eins ist sicher: Die fortschreitende Digitalisierung und der technologische Wandel werden die Arbeitsplätze der Zukunft verändern. Es werden Stellen verschwinden und dafür neue entstehen, deren Anforderungen an die Beschäftigten zwar neue Herausforderungen darstellen, die aber auch Chancen in der digitalisierten Welt bieten.

In der Automobilindustrie zwingt der Wandel hin zu selbst fahrenden Stromautos alle Hersteller, ihre Personalstrategien anzupassen, um den notwendigen IT-Fachkräftebedarf im globalen Bereich künftig decken zu können. Der Einzelhandel sieht sich zunehmend mit dem Onlinehandel konfrontiert und ist gezwungen, neue Verkaufsstrategien zu entwickeln. Auch hier werden die Anforderungen an die Arbeitsplätze der Zukunft ein Umdenken erforderlich machen. Allein diese beiden Beispiele verdeutlichen, dass der digitale Wandel nicht aufzuhalten ist und wirklich alle Branchen und Menschen betrifft. Er ist somit Chefsache und nicht nur ein EDV- oder Personalabteilungs-Problem. Gerade für mittelständische Unternehmen besteht hier enormer Handlungsbedarf. Wer nicht hinterherlaufen und die großen Chancen der Digitalisierung verpassen will, muss sich mit der Thematik frühzeitig auseinandersetzen und eine eigene Strategie entwickeln.

Besonders in der Startphase der digitalen Transformation können externe Berater behilflich sein, den Ängsten und Sorgen der Belegschaft zu begegnen und zusammen mit der Unternehmensleitung und den Mitarbeitern zukunftssichere Strategien zu entwickeln. Hier geht es vor allem um die Arbeitsplatzgestaltung und die Qualifizierung der Menschen für die Digitalisierung 4.0. Wie die aktuelle PAC-Studie ,Digital Workplace in Europe‘ des unabhängigen Marktanalyse- und Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC) zeigt, wollen 63 Prozent der Unternehmen in den nächsten zwei Jahren in moderne Technologie für den Arbeitsplatz investieren. In der Regel zielen alle Maßnahmen darauf ab, durch die Vernetzung von Mensch und Betriebsmitteln (nicht nur Maschinen) Wertschöpfungsketten zu digitalisieren. Der Mensch als Individuum steht dabei selten im Mittelpunkt, und so stehen die oftmals aufgeführten Vorurteile gegenüber der Digitalisierung fest: Dem Menschen wird angeblich Autonomie, Entscheidungsfreiheit und Kontrolle entzogen, ,intelligente‘ Maschinen übernehmen die Steuerung. Sie führt zu unbeherrschbarer Komplexität, hohen Anforderungen zur Aufrechterhaltung der Kompatibilität der Technik, mangelndem Datenschutz und fordert ständige Aktualisierungen und Updates. Doch auch die Vorteile liegen auf der Hand, und die gilt es den Mitarbeitern klarzumachen: Der Mensch wird von Routinearbeiten entlastet, die Lebensqualität steigt durch mehr Komfort und Sicherheit, Unternehmen profitieren von Kostensenkungen, Effizienzsteigerungen sowie von guter Ressourcennutzung, Datenspeicherung und Steigerung der Transparenz. Dadurch lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens verbessern, und es entstehen neue Chancen in neuen Tätigkeitsfeldern mit neuen Berufsbildern. Es gibt sogar Stimmen, die sagen: Durch die Digitalisierung ist für manche Branchen – wie zum Beispiel für die Textilindustrie – eine Rückkehr zur Produktion in Deutschland möglich. Dies gilt es abzuwarten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die digitale Transformation zwar Risiken, aber auch große Chancen für den Mittelstand bietet. Es gibt also keinen Grund, Angst zu haben. Der Mensch bleibt der entscheidende Erfolgsfaktor. Gut vorbereitet und entsprechend qualifiziert wird er die Arbeitswelt von morgen gestalten und steuern, so wie er es in der Vergangenheit immer getan hat.

Horst Emde ist geschäftsführender Gesellschafter der elpa consulting aus Holzminden. horst.emde@elpa-consulting.de