Es werde Licht!

© Besser Bad Harzburg
Text von: Marisa Müller

Das Salz- und Lichterfest in Bad Harzburg lockt mit 100.000 Kerzen und Lichtinstallationen auch dieses Jahr im August wieder rund 50.000 Besucher in den Harz.

Überall Lichter, alle starren gebannt in den Himmel, staunen, und die Gesichter werden im Schein der unzähligen Kerzen und farbenfrohen Lichtinstallationen viel weicher als sonst. Andächtige Stille im Harz, wenige Meter weiter eine riesige Party – so sieht es aus, das Salz- und Lichterfest in Bad Harzburg. Olaf Bewersdorf, seit 2002 Citymanager von Stadtmarketing ‚Besser Bad Harzburg‘, arbeitet nun schon seit vergangenem September an dem neuen Entwurf für das Salz- und Lichterfest 2014. „Kaum ist das Fest vorbei, fangen wir schon wieder von vorne an“, sagt er und denkt an all das, was vor dem 23. August noch erledigt werden muss.

Dann geht es nämlich wieder los: Zwei Tage, acht große, gleichzeitig bespielte Bühnen mit Live-Musik, ein Kunsthandwerkermarkt, ein Flohmarkt, Spiel und Spaß für die Kleinsten, und nicht zu vergessen der traditionelle Festumzug und das spektakuläre Feuerwerk sorgen alljährlich für Furore. Im Mittelpunkt des Festes stehen dabei die scheinbar unendlich vielen Lichter: Kerzen, Teelichter, winzige Glühlämpchen und aufwändige Installationen erhellen die Harzstadt.

Ursprünglich wurde das Salzfest – seinerzeit das Bartholomäusfest genannt – im Jahr 1575 von Herzog Julius gestiftet und fortan jährlich begangen. Einige Jahre zuvor wurde in der Harzregion eine Solequelle entdeckt, die die Bewohner des heutigen Bad Harzburg von Salzimporteuren unabhängig werden ließ. Damals noch zu Ehren des wirtschaftlichen Fortschritts fand das Fest später zunehmend zum Amüsement der Bevölkerung statt. 1849 wurde die Saline geschlossen, und die Tradition nahm ein jähes Ende. 100 Jahre später startete das heutige Salz- und Lichterfest in die Neuzeit, noch immer mit der ursprünglich zelebrierten Salzpredigt und der Huldigung des edlen Gründers, seitdem allerdings mit Volksfestcharakter, den prägnanten Lichtelementen und mehreren Tagen Dauer. Das Salz spielt in Bad Harzburg nach wie vor eine bedeutende Rolle. Um 1800 wurde die Stadt für Kur- und Badegäste zunehmend wichtiger, und das ist heute noch immer so.

„Die Wertigkeit unseres Festes ist uns äußerst wichtig“, sagt Bewersdorf. „Wir wissen um die landläufige Meinung vieler: hier eine ,Fressbude‘ und dort ein Stand mit billigen Klamotten. Das wollen wir gezielt vermeiden.“ Dies ist jedoch für den Veranstalter eines solchen Events generell schwer, denn ein Volksfest kann man nicht völlig neu erfinden. Deshalb ist die Auswahl der Attraktionen jedes Jahr auch hier wieder eine ganz besondere Aufgabe. Ein gutes Netzwerk und persönliches Interesse sorgen stets für ,Neues‘ auf dem Salz- und Lichterfest. „Wir sind stolz auf den Ruf, den wir uns über die Jahre erarbeitet haben. Viele Besucher nehmen sich extra für das Fest frei und reisen von weit her an.“

Erklärtes Ziel sei es, ein Programm für alle Altersklassen anzubieten, so der Citymanager weiter. Bei allen Generationen gleichermaßen beliebt sei dabei die traditionelle Eröffnung im Bad Harzburger Badepark, insbesondere wenn Bürgermeister samt Gattin in historische Kostüme schlüpfen und sich den Massen präsentieren. Die Partybühnen ziehen vor allem die jungen Leute an, Jazz- und Soul-Bands auch die Älteren. Das Feuerwerk ist familientauglich. Die Mischung macht es. Dabei werden alle Geschmäcker der Besucher angesprochen: von still bis laut, verschiedene Gaumengenüsse, romantische Stimmung, absolute Party, Traditionelles und seit jüngerer Vergangenheit auch moderne Elemente.

Denn in den letzten Jahren hat sich das Fest enorm verändert. Neue Lichtkonzepte sind hinzugekommen, veraltete Technik landete in der Tonne. „Das war auch nötig!“, sagt Bewersdorf im Brustton der Überzeugung. „Manches sah aus wie aus den Achtzigern. Tradition in Ehren, aber alles Neue ist schließlich auch gut gelungen.“ Und jedes Jahr kommen weitere Lichtelemente hinzu: „Mein Traum wäre einmal eine aufwändige Lasershow im Badepark“, gesteht er, aber das sei bisher aus finanziellen Gründen nicht möglich gewesen.

Finanziert wird das Fest hauptsächlich aus öffentlichen Mitteln. Ein kleiner Spendenanteil und Refinanzierungen beispielsweise aus Standmieten auf dem Fest machen den Restbetrag aus. Organisiert und veranstaltet wird das Salz- und Lichterfest vom ‚Stadtmarketing Bad Harzburg‘ im Auftrag der Stadt und der ‚Kur-Tourismus und Wirtschaftsbetriebe der Stadt Bad Harzburg‘. Diese Arbeitsgemeinschaft wird durch eine externe Agentur ergänzt, aber Hilfe ist immer willkommen. Die hauptsächliche Arbeit verteilt sich auf fünf Köpfe, dazu kommen aber jedes Jahr noch Hunderte von Helfern auf dem Fest, die für Ordnung sorgen, koordinieren und einen reibungslosen Ablauf garantieren. Eine besondere Herausforderung dabei sind die Arbeiten rund um die Stromversorgung. Schon Monate vor dem Fest beginnen die Verantwortlichen mit dem Verlegen der Verbindungen. In jedem Baum hängen dann Kabel und Steckdosen, Starkstrom wird benötigt für die Bühnen. Diese Stromlogistik stellt das wichtigste Element der ganzen Veranstaltung darneben den zahlreichen zupackenden Händen. Jeder Helfer, ob nun Kabelleger oder Kerzenanzünder (weitere Infos dazu im Infokasten), sorgt für ein gelungenes Fest und somit auch für eine Fortsetzung im nächsten Jahr.

„2009 hatten wir ein tolles Theaterstück auf einer der Bühnen. An die 40 freiwillige Schauspieler, dazu noch Regie, Kostümbild und jede Menge engagierte Menschen. Das war ein irrer Aufwand“, erinnert sich Olaf Bewersdorf auf die Frage nach einem seiner persönlichen Höhepunkte der letzten Jahre. Diese Aktion zeige, wie sehr die Bad Harzburger hinter ihrem Fest stehen und wie wichtig es für die Harz-Region ist. „Das Salz- und Lichterfest ist ‚das‘ Aushängeschild für die Stadt. Andere Events kommen an dieses traditionelle Meisterwerk nicht heran.“

Auch in diesem Jahr werden wieder um die 50.000 Gäste erwartet, aber Bad Harzburg ist gerüstet: „Bloß nicht in die Stadt fahren“, rät der Citymanager. „Wir haben ein hervorragendes Park-and-ride-System eingerichtet, und auch die Hotels sind für den Ansturm vorbereitet.“ Außerdem wurde seit 2012, unter anderem auch aus Anlass der Love-Parade-Katastrophe 2010 in Duisburg, an dem Sicherheitskonzept des Festes gefeilt: Hindernisse wurden beseitigt, Knotenpunkte entschärft. Die Harzstadt ist gewappnet, auch wenn es bisher immer problemlos zuging.

Die Besucher kommen aus Helmstedt, Peine, Wolfsburg, Wernigerode, Magdeburg – Göttingen und Südniedersachsen oder die Regionen Richtung Hannover seien bislang weniger vertreten. „Da scheint wohl der Harz im Weg. Aber die Reise lohnt sich. Nur wer einmal da war, weiß, was ich meine. Und wer einmal da war, kommt auch immer wieder“, sagt Bewersdorf überzeugt. Für ihn sei der schönste Moment bei jedem Fest übrigens nicht das spektakuläre Feuerwerk. „Wenn ich an einer der kleinen Bühnen stehe, und ein Jazzmusiker vermittelt Gänsehaut pur – das ist mein kleiner Augenblick der Entspannung. Da weiß ich, die Arbeit hat sich allemal gelohnt.“