Es grünt so grün

©Heinz-Sielmann-Stiftung
Text von: Heidi Niemann

Die Heinz-Sielmann-Stiftung aus Duderstadt sorgt mit einem deutschlandweiten Projekt für Artenschutz auf zahlreichen Betriebsgeländen. Vorstand Michael Beier erklärt, warum die Natur, Unternehmen und auch Mitarbeiter davon profitieren.

Seit vier Jahren unterstützt die Heinz-Sielmann-Stiftung aus Duderstadt deutschlandweit Unternehmen dabei, ihr Firmengelände naturnah zu gestalten. Das vom Bundesumweltministerium und dem Bundesamt für Naturschutz geförderte Projekt stößt dabei auf große Resonanz. Inzwischen berät die Stiftung in Kooperation mit dem Global Nature Fund und der Bodensee-Stiftung mehr als 45 Unternehmen unterschiedlicher Größe und Struktur. Auch nach dem Auslaufen der Förderphase läuft das Projekt weiter. Michael Beier, geschäftsführender Vorstand der Sielmann- Stiftung, gibt Antworten auf die Frage, was Artenschutz und Wirtschaft miteinander zu tun haben.

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Herr Beier, was versteht man unter einem naturnahen Firmengelände?

Ein Firmengelände gilt als naturnah, wenn 30 Prozent des nicht bebauten Areals naturnah gestaltet sind. Das lässt sich zum Beispiel dadurch erreichen, dass man um Parkplätze und Gebäude heimische Stauden, Blumen und Sträucher anpflanzt sowie naturnahe Hecken und Kleingewässer anlegt. Auch durch die Begrünung von Fassaden und Dächern schafft man neuen Lebensraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten.

Warum sollten sich Unternehmen überhaupt um das Thema Biodiversität kümmern?

Der Verlust der Artenvielfalt hat weltweit dramatische Formen angenommen. Mit jeder Tier- und Pflanzenart, die verschwindet, geraten die Ökosysteme weiter aus dem Gleichgewicht. Die Wirtschaft ist aber auf intakte Ökosysteme angewiesen. Eine intakte Natur schützt beispielsweise vor Bodenerosion und reguliert den Wasserhaushalt. Dies sind für jeden Unternehmensstandort wichtige Faktoren. Deshalb ist es nur konsequent, wenn Betriebe einen Beitrag dazu leisten, diese Ökosystemleistungen langfristig zu erhalten und die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt zu reduzieren.

Wie haben Sie Unternehmen für Ihr Projekt gewinnen können?

Wir haben vor allem die Netzwerke der Wirtschaft genutzt und das Thema über die Berufs- und Interessensverbände in die Unternehmen getragen, insbesondere durch die Umwelt-Arbeitsgemeinschaften der IHK, der Handwerkskammern und des Bundesverbands der Deutschen Industrie e.V. Außerdem haben wir einzelne Unternehmen direkt angesprochen. Und sind Sie dabei immer gleich auf offene Ohren gestoßen? Man muss schon einige Überzeugungsarbeit leisten. Vor dem Werkstor wird der Naturschutz geschätzt, aber nicht unbedingt auf dem Firmengelände. Die Unternehmen, die mitgemacht haben, haben sich schon vorher für den Umweltschutz engagiert. Bislang standen vor allem Themen wie Klimaschutz oder der sparsame Umgang mit Ressourcen im Fokus. Das Thema Biodiversität bedeutet in ihrem Umweltmana gement eine neue Qualitätsstufe.

Wie gehen Sie konkret vor?

Wir schauen uns mit speziell ausgebildeten Garten- und Landschaftsarchitekten das Firmengelände an und besprechen mit den Verantwortlichen, welche Potenziale für eine naturnahe Gestaltung vorhanden sind. Dann erstellen wir ein Konzept, das nach und nach umgesetzt wird.

Und was haben die Firmen davon, wenn sie ihr Gelände naturnah gestalten?

Dieses Engagement dient zum einen natürlich der Imagepflege. Viel wichtiger ist aber, dass das Unternehmen damit sowohl nach außen als auch innen ein Signal für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur setzt. Ein naturnahes Außenareal ist wie eine ,grüne Visitenkarte‘. Das Unternehmen demonstriert damit, dass es gesellschaftliche Verantwortung übernimmt, ein attraktiver Arbeitgeber, Nachbar und Kunde ist. Es gibt aber auch direkte ökonomische Vorteile. Ein Gründach kann Kühlenergie einsparen, gleichzeitig leistet man damit einen Beitrag zum Klimaschutz. Feuchtflächen verhindern, dass es bei Starkregen zu größeren Überschwemmungen mit entsprechenden wirtschaftlichen Schäden kommt. Gleichzeitig sind sie wertvolle Rückzugsräume für viele Tierarten.

Ging es vor allem um die Umgestaltung von Arealen, oder gab es auch komplette Neuanlagen?

Besonders groß war das Interesse, wenn ohnehin bauliche Veränderungen geplant waren. Das jüngste Beispiel: Porsche baut in Zuffenhausen ein neues Werk für den E-Porsche. Dort hat man uns schon sehr frühzeitig an der Planung beteiligt. Das Gelände wird also von Anfang an naturnah gestaltet sein.

Sind diese Projekte reine Chefsache?

Nein, wir versuchen immer, auch die Mitarbeiter einzubeziehen, zum Beispiel indem sie beim Bau von Insektenhotels mithelfen. Viele Unternehmen sehen das Thema Biodiversität inzwischen auch als eine Personalmaßnahme zur Mitarbeiterentwicklung an. Wenn ich auf dem Firmengelände etwas für die Arten tue, kann ich auch Mitarbeiter überzeugen, im privaten Garten etwas für Bienen und Schmetterlinge zu tun. Diese Projekte sind für uns ein Einfallstor. Wir erreichen damit viele Menschen, weil sie an ihrem Arbeitsplatz die positiven Effekte eines naturnah gestalteten Umfeldes zu spüren bekommen.

Vielen Dank für das Gespräch!