Ein zweischneidiges Schwert

©Privat: Christian Scholz
Text von: Christian Cholz

Christian Scholz, Autor und Experte für die Generation Z, im Gastbeitrag über Zorro, Helikoptereltern und das, was wir von der neuen Generation lernen können.

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Und genau  an dieser Stelle beginnen die Probleme  mit anderen Generationen und es entstehen  massive Schwierigkeiten für einen geregelten,  planbaren Betriebsablauf.  Denn hier gibt es selbst einen radikalen  Unterschied: Auch die Vorgängergeneration_Y  praktiziert Opportunismus und sieht sich ebenfalls nicht unbedingt dem Prinzip der  Fairness verbunden. Sie akzeptiert allerdings  – und das ist der Unterschied – auch bei Unternehmen  und Führungskräften ein analoges  Verhalten, versteht also, wenn auf der Gegenseite  fast schon darwinistische Prinzipien  dominieren.

So paradox es aussieht: Gerade wegen dieser  Symmetrie der Erwartungen ist es durchaus  realistisch, dass sich beide Seiten jenseits des  Arbeitsvertrages auf einen psychologischen  Vertrag der begrenzten ,professionellen‘  Fairness einigen. Und dann wird keiner den  anderen aus heiterem Himmel heraus mit  einer unangenehmen und sofort wirksamen  schlechten Nachricht überraschen.  Ganz anders die Generation Z: Sie sieht  einen fast schon verfassungsrechtlich verankerten  Anspruch darauf, fair und zuvorkommend  behandelt zu werden, weil sie den  (angeblichen) demografischen Vorteil auf  ihrer Seite glaubt. Zumindest liest sie das in  diversen Wirtschaftszeitschriften und hört es  von entsprechenden ‚keynote speakern‘.  Deshalb gibt es für die Generation Z keinen  Grund zu einem psychologischen Vertrag  mit wechselseitiger Fairness: Denn sie  geht davon aus, dass sich die anderen Generationen  ihr gegenüber sowieso ,ansprechend‘  verhalten (müssen) –, und dummerweise  tun das auch viele Unternehmen, was  das egoistische Verhalten der neuen Generation  noch verstärkt.

Ein zweiter Unterschied: Auch die Generation  _ Z ist durchaus bereit, in begrenztem  Umfang Verantwortung zu übernehmen.  Aber anders als die Generation_ Y geht sie  davon aus, diese Verpflichtung per Eigen –  erklärung jederzeit mit einer Minute Vorwarnung  widerrufen zu können. Die Zs  fühlen sich also niemandem ,verpflichtet‘:  keinem Arbeitgeber, keinen Führungskräften,  keinen Kollegen, keinen Kunden. Und  selbst, wenn dem Unternehmen ein massiver  Schaden entsteht, weil die Generation plötzlich  die Chance zu einer auch noch so kleinen  Selbstoptimierung ergreift, so sieht sie  nur, dass sie schließlich ,das Recht dazu‘ auf  ihrer Seite hat. Der Kollateralschaden interessiert  sie nicht im Geringsten.

Sicherlich kann man nicht exakt aus dem  Geburtsjahr auf die Zugehörigkeit zu einer  bestimmten Generation schließen. Und  genau da wird es schwierig. Denn solange  sich die Vertreter der Generation Z kein  deutlich erkennbares Z eintätowieren, sind  Unter nehmen und Führungskräfte massiv  gefordert: Denn sie müssen sich auf neue  Werte- und Verhaltensmuster einstellen, ohne  diese aber generell und bedingungslos zu  akzeptieren. Dazu gehört deutlich mehr als  eine ,gene relle Fähigkeit‘ zur Mitarbeiterführung,  die sowieso jede Führungskraft bei  sich als gegeben ansieht. Unternehmen brauchen  eine neue Form von Training: Denn  Führungskräfte müssen lernen, die Vertreter  der Generation Z als solche zu lokalisieren  und dementsprechend zu behandeln. So  brauchen diese wesentlich mehr und wesentlich  positiveres Feedback.

Gleichzeitig wollen  sie viel mehr an die Hand genommen werden,  also wesentlich mehr Erklärungen und Strukturen,  ohne aber bevormundet zu werden.  Besonders gefährlich: Weil sich ein Z nur  sehr begrenzt für seinen Bereich verantwortlich  fühlt, schmeißt er leichter schlagartig  hin, wenn ihm etwas nicht passt. Diese Gefahr  sollten andere Generationen bei der  Aufgabenverteilung entsprechend berücksichtigen.

Generation Z: Wie sie tickt, was sie verändert und warum sie uns alle ansteckt
Wiley-VCH Verlag
19,99 Euro

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