Der Traum vom Baum

©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Melike Yasaroglu

Vom Schülerjob in die Selbstständigkeit: Nils-Hendrik Baum coacht heute Hobbygärtner aus Leidenschaft – und wird dafür als ,Guter Gründer‘ ausgezeichnet.

Zu Schulzeiten war unter seinen Freunden Zeitungaustragen ein beliebter Klassiker, um sich ein wenig Geld dazuzuverdienen. Nils-Hendrik Baum rechnete kurz nach, ermittelte den Stundenlohn. „Das war mir einfach zu wenig“, erzählt er nüchtern zurückblickend am liebevoll gedeckten Kaffeetisch im Elternhaus, wo er heutzutage seine Kunden trifft. Als eine Freundin seiner Oma ihn darum bat, in ihrem Garten den Rasen zu mähen und Unkraut zu jäten, war seine Idee für einen lukrat iven Nebenjob geboren. Seine Dienstleistungen sprachen sich im Dorf schnell herum, und er baute sie bereits zu Schulzeiten aus: Sogar zwischen den Abiturprüfungen gestaltete er Terrassen für seine Kunden.

Hattorf am Harz ist ein schönes Dorf, idyllisch gelegen, mit rund 4.000 Einwohnern. Hier kennt man sich, hier hilft man sich und packt selber an. Hier ist nicht nur die Heimat von Baum, sondern seit Beginn der Sitz seiner unternehmerischen Wurzeln.
Auch wenn er in Erfurt studiert hat und einige Zeit im hohen Norden lebte, den Draht zu seiner Heimat hat der heute 31-Jährige nie verloren. Selbst als er in Hamburg als Bauleiter bei einem Landschaftsbaubetrieb angestellt war, scheute er die langen Wege nicht. Fast jedes Wochenende fuhr er nach Hause, um in den Gärten seiner Kunden zu werken.

Seinen eigenen Betrieb ,Baum Gartengestaltung‘ gründete er 2010, vorerst nur im Nebenerwerb. Die Auftragslage entwickelte sich aber so gut, dass Baum gänzlich in die Selbstständigkeit ging: „Vor einem Jahr habe ich es dann endlich angepackt“, erzählt er heute von seinem Schritt in die ‚richtige‘ Selbstständigkeit, „und die Entscheidung fiel mir nicht schwer.“

Für diesen Mut wurde er jetzt belohnt und mit dem ,Gute Gründe(r)‘-Preis aus gezeichnet, der zweimal im Jahr von der WRG Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Göttingen und der GWG Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen gemeinsam mit faktor verliehen wird (siehe Kasten).

Der Diplom-Ingenieur liebt Herausforderungen. Wenn er zu „hoffnungslosen Fällen“, zum Beispiel verwilderten Gärten mit eingestürzten Terrassen gerufen wird, „dann freue ich mich“, sagt Baum. Er erzählt so leicht und selbstverständlich davon, als würde er nichts lieber tun, als Gärten zu planen, zu gestalten und zu pflegen – oder die Besitzer zu coachen, seinem persönlichen Alleinstellungsmerkmal, dem Angebot, mit dem er sich von anderen Dienstleistern abhebt.

Seine Zielgruppe ist vielfältig: Darunter sind junge Familien, die klassischen ,Häuslebauer‘ Anfang 30 oder Rentner. Viele von ihnen sind Hobby-Heimwerker. Sie bringen handwerkwerkliches Geschick mit, wollen dazulernen und nicht allzu viel Geld ausgeben. Vor allem aber wollen sie nach getaner Arbeit in ihrem Traumgarten sitzen. Das Garten-Coaching von Baum bietet ihnen genau das.

Genau das, was auch Thomas Böhlendorf will. 16-mal ist er umgezogen. Eines Tages reichte es ihm: Er wollte endlich sesshaft werden. Böhlendorf kaufte vor zwei Jahren ein Haus in Osterode am Harz, und weil er handwerklich durchaus begabt ist, konnte er große Teile des Innenausbaus selbst bewältigen. Als es aber an den Garten ging, fehlten dem Lehrer nicht nur die Ideen, sondern es mangelte auch an Expertise. Jetzt mal ehrlich: Wer weiß schon, wie man Bäume
herausrodet oder dass ein Carport auch diagonal gesetzt werden kann? Nils-Hendrik Baum weiß es und bot Böhlendorf, den er bereits lange Jahre vom gemeinsamen Chor- Singen kannte, seine Hilfe beim ,Garten- Coaching‘ an.

Heute will Böhlendorf pflastern lernen. In diesem Sommer will er endlich die Auffahrt zu seinem Haus in Angriff nehmen. Der Garten-Coach hat dafür im Garten seiner Eltern ein ungefähr vier Quadratmeter großes Feld abgesteckt. Ruhig und in einfachen Worten erklärt er Böhlendorf, wie die verschiedenen Schichten aufgetragen werden, damit die neue Auffahrt perfekt wird. Sein Kunde muss mit anpacken und eine sichtlich schwere Schubkarre voller Kies in das Loch schütten. Als Lehrer sitzt Böhlendorf viel am Schreibtisch und betrachtet die Gartenarbeit als Ausgleich, der ihm auch noch Spaß macht.

Es dauert nur wenige Minuten, und schon stehen ihm die ersten Schweißperlen auf der Stirn. „Und ich spare mir das Workout“, sagt der heutige Schüler lachend. Baum beobachtet ihn aufmerksam, greift manchmal kurz ein. Die Lektion dauert eine gute halbe Stunde, dann ist das Quadrat gepflastert, und beide Männer stehen zufrieden davor. Böhlendorf ist seinem Ziel, einer neuen Auffahrt, ein Stückchen näher gekommen. Seinen Garten will er zu einem Wohlfühl-Ort machen – zwar allein, aber begleitet von der fachmännischen Unterstützung des Garten-Coaches.

Nils-Hendrik Baum arbeitet viel: Werktags ist er auf seinen Baustellen – den Gärten seiner Kunden – und sonntags sitzt er am Schreibtisch. „Aber ich war noch nie so zufrieden und ausgeglichen“, erklärt er. Seine Ehefrau Leona nickt zustimmend und lächelt zufrieden. Zu Beginn waren seine Kunden vor allem Nachbarn und Bekannte, jetzt kommen Menschen aus dem gesamten Altkreis Oste rode, Göttingen und Northeim dazu. Vergleichbare Konkurrenz im Bereich Garten- Coaching habe er nur in der Schweiz gefunden, meint Baum fast schon zurückhaltend. In seiner Stimme schwingt kein bisschen Stolz mit, obwohl er es doch eigentlich sein könnte. Ist er immer so bescheiden? „Das zeichnet ihn aus“, bestätigt seine Frau. „Ich klopfe mir nicht selbst auf die Schulter“, erklärt der Diplom-Ingenieur, „das tun andere.“

Zum Unternehmen

,Baum Gartengestaltung‘ bietet Gartenplanung, -gestaltung sowie -pflege an. Wer handwerklich begabt ist und etwas Unterstützung benötigt, kann von dem „Garten- Coaching“ profitieren. Diplom-Ingenieur (FH) Nils-Hendrik Baum „verwirklicht Ihren Gartentraum“, so lautet das Versprechen auf seinem Internetauftritt. Sein Betrieb sitzt in Hattorf am Harz und ist online zu finden unter: www.baum-gartengestaltung.de.