Der Senkrechtstarter

©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Stefan Liebig

Harzer Jungunternehmer produziert weltweit begehrte Drohnentechnologie.

Brummende Motoren, kreisende Rotoren und rasante Flugmanöver – Alexander Helbings Leidenschaft erwachte auf dem Flugplatz des Luftsportvereins Bad Lauterberg. Schon als Junge war er Bastelfan, und mit zehn Jahren entdeckte er seine Begeisterung für Modellflieger. Doch im Laufe der Zeit wollte er nicht nur die Fluggeräte selbst am Horizont entlangsteuern, sondern auch ihre Technik begreifen. „Besonders spannend fand ich es, ein Vereinsmitglied bei dem Versuch zu beobachten, seinen Hubschrauber mit einer Kamera auszurüsten – ich wollte ihm bei der Problemlösung helfen“, erinnert sich Helbing. Der damals 16-jährige Tüftler fing an, sich in die Drohnentechnik zu vertiefen. Schon sein erster Multikopter-Prototyp – mit damals nur vier Achsen – weckte großes Interesse bei seinem Vereinskameraden, und Alexander Helbing gewann seinen ersten, ihm bis heute treuen Kunden.
In dieser Zeit begann er seine Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik beim Batteriehersteller Exide Technologies Operations in Bad Lauterberg und erarbeitete sich den theoretischen Background. „Es war eine anstrengende Phase, denn mir war schon damals klar, dass ich mich mit der Drohnentechnik selbständig machen will“, sagt der heute 21-Jährige, der in seinem Umfeld viel Unterstützung für seine ambitionierten Pläne erfuhr, denn die meisten seiner Verwandten und Freunde erkannten schon früh den in ihm schlummernden Geschäftsmann.
Schnell sprachen sich seine Fähigkeiten auch unter potenziellen Interessenten herum. Es gab immer mehr Anfragen. So stieß die Werkstatt – der Dachboden des Elternhauses in Steina – bereits früh an ihre Grenzen. „Es wirkte auch nicht besonders seriös, die Geschäftskunden durch die Wohnung meiner Großeltern in meinen Geschäftsbereich zu führen“, erzählt der junge Gründer. Seine Jugend hingegen stellte nur sehr selten ein Hindernis dar. „Es gab einige wenige Fälle, in denen ich seltsam angeschaut oder nicht ernst genommen wurde – oft war es eher ein Vorteil, denn die meisten Geschäftspartner sagten, dass sie es lieber mit einem jungen und innovativen Lieferanten zu tun hätten“, berichtet Helbing von seinen Erfahrungen. Doch bevor er sich weiter professionalisieren konnte, musste er noch ungeduldig auf seinen 18. Geburtstag warten. An diesem für jeden Jugendlichen wichtigen Tag gründete er – ausschließlich mit eigenen finanziellen Mitteln wie Ausbildungsgehalt und bisherige Verkäufe – unter dem Namen Helbing-Drones Flugroboter Systeme sein eigenes Unternehmen und bezog repräsentative Geschäftsräume an der B27 in Herzberg am Harz.

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