Der richtige Dreh

Text von: Christian Vogelbein

Warum Rotary-Clubs für unsere Region so wichtig sind.

Mehr als eine Million Menschen engagieren sich allein in Niedersachsen ehrenamtlich. Service – Clubs wie Rotary heben diesen Grundgedanken dabei auf einen neuen Level. Ihre Mitglieder, die Rotarier, stammen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, Berufen und Religionen. Sie pflegen die Kontakte zueinander, zu Menschen und ihren Ideen. Ein Club für Philanthropen. Eine ,Weltgemeinschaft von Berufsleuten‘. Ihr Motto: selbstlos dienen.

Der erste Club wird 1905 in Chicago gegründet. Durch die ständige ,Rotation‘ der gemeinsamen Treffen, die abwechselnd in den Geschäftsräumen der Mitglieder stattfanden, entstehen Name und Prinzip. 20 Jahre dauert es, bis auch auf europäischem Festland die Idee Anklang findet. Pioniere sind die Schweizer und Österreicher. 1927 entsteht in Deutschland der erste Club. Inzwischen sind es mehr als 1.000, aufgeteilt in einzelne Distrikte. Göttingen beispielsweise gehört mit gleich vier Clubs zum District 1800, in dem wiederum insgesamt 77 Clubs mit rund 4.000 Mitgliedern zusammengefasst sind.

Mindestens einmal in der Woche treffen sich die Rotarier, um an verschiedenen Betrieben, Einrichtungen oder Kulturstätten die Chancen und Herausforderungen der lokalen Wirtschafts- und Berufswelt kennenzulernen. Im Rotary-Sinn bedeutet dies vor allem: dienen. Und dazu gehört es ebenfalls, selbst Ämter und Verantwortung zu übernehmen. Denn auch bei den zahlreichen Club-Ämtern wird kräftig rotiert. Jeder darf und muss irgendwann mal an die Reihe.
Hier bietet die Region Südniedersachsen eine aktuelle Besonderheit: Gleich drei Präsidentinnen sind im Amt. Carola Müller (Göttingen), Judith Kara (Göttingen-Sternwarte) und Martina Städtler-Schumann (Göttingen- Hann. Münden) leisten gerade ihren ,Dienst‘. „Bei einem deutschlandweiten Frauenanteil von nur zehn Prozent ein wirklich gelungenes Zeichen“, sagt Holger Bahl, der für die Öffentlichkeitsarbeit aller Rotary-Clubs in Norddeutschland zuständig ist. Gleich drei Frauen an der Spitze, das sei ein Umstand, der klar verdeutliche, dass ihr Anteil in den Rotary-Clubs stetig zunimmt. Eine Tatsache, die umso bedeutender ist, wenn man bedenkt, dass es bis vor wenigen Jahren noch Clubs in Göttingen gab, die überhaupt keine Frauen zugelassen haben.

„Frauen führen zwar anders als Männer, letztendlich kommt es aber auf Transparenz, Vertrauen und Offenheit an“, sagt Judith Kara.

Sie leitet die Göttinger Ballettschule art la danse und sieht ihre Präsidentschaft als ehrenvollen Auftrag für ihren Club. Insbesondere schätzt sie, dass sich Göttinger Persönlichkeiten in den Dienst Rotarys stellen und gemeinsam für eine gute Sache einsetzen. Begonnen hat es – wie bei allen Rotariern – mit einer Einladung durch ein anderes Mitglied. So auch bei Carola Müller, die sich schnell entschied.

„Mich hat überzeugt, dass man auf der Basis eines vertrauensvollen Miteinanders mit Menschen, die man sonst vielleicht nie kennengelernt hätte, viel Sinnvolles erreichen kann“, sagt die Geschäftsführerin des Verlags Vandenhoeck & Ruprecht.

Wie auch ihre Kolleginnen bleibt sie Präsidentin für ein Jahr.

„Eine Präsidentschaft ist im Grunde ein Dienst wie jeder andere in einem Serviceclub“, erklärt Müller. „Und wer sich nirgends engagieren will, der wird sich bei Rotary nicht einfinden.“

„Wir sind Führungskräfte aus unterschiedlichen Berufen und engagieren uns für einen guten Zweck“, erklärt auch Martina Städtler- Schumann den Grund für ihre Mitgliedschaft.

Für die Geschäftsführerin der Prof. Schumann GmbH ist das Amt eine tolle Chance und eine große Herausforderung – vor allem aber mache es Spaß. Auf Judith Kara und Carola Müller folgen im kommenden Jahr ebenfalls wieder Frauen in die Präsidentenämter. Mit einem Geheim – Clan unter Männern haben die Rotarier heute also nichts zu tun. Vielmehr beginnt das Engagement aller Mitglieder zwar innerhalb des Clubs, geht dann jedoch weit über seine Türen in die Öffentlichkeit hinaus. Die Rotarier sind im Einsatz für humanitäre Interessen, Frieden und die Verständigung der Völker. Lokal geht es vor allem um die Stärkung der Gemeinschaft und den Standort, sowohl wirtschaftlich als auch im sozialen Miteinander. Und davon profitiert am Ende vor allem die Region.