Den Ball flach halten

©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Tobias Kintzel

BG-Göttingen-Geschäftsführer Frank Meinertshagen über das wichtigste Puzzlestück der vergangenen Saison, kleine Wermutstropfen und seinen Ausblick auf die anstehende Spielzeit

 

 

Herr Meinertshagen, was war in der zurückliegenden Spielzeit in der Basketball- Bundesliga Ihr emotionaler Höhepunkt?

Das ist nicht so einfach, da muss ich überlegen. Toll war auf jeden Fall der Heimsieg gegen ALBA Berlin. Es ist super, gegen die großen Teams zu gewinnen. Für mich noch emotionaler war allerdings der Sieg am zweiten Spieltag gegen Ludwigsburg. Wissen Sie, am Anfang der Saison kann man noch nicht absehen, wohin sich alles entwickeln wird. Aber als wir dieses Spiel mit vollem Einsatz gedreht haben, da hatte ich das Gefühl, dass es mit der Saison etwas werden könnte.

Und die Verpflichtung von Alex Ruoff war ein wichtiges Puzzlestück für den Ausgang der Saison.

Sportlich war diese Saison erfolgreich, lange vor dem Saisonende stand der Verbleib in der Liga fest.

Stimmt (lacht). Das war schon etwas ungewohnt. Sonst ging es am Ende der Saison, je nach Liga, immer um den Einzug in die Playoffs oder um den harten Kampf gegen den drohenden Abstieg. Da war es dieses Jahr für uns bedeutend entspannter.

Wie beurteilen Sie den wirtschaftlichen Erfolg der abgelaufenen Spielzeit?

Im Sport ist es schwierig, von einem erfolgreichen Jahr zu sprechen, wenn man in der Liga mit einem der kleineren Etats unterwegs ist. Das Besondere an unserer Situation ist, dass wir Geld ausgeben, ohne es schon eingenommen zu haben, denn die Ticketing-Erlöse kommen zum Teil erst im Lauf der Saison in die Kasse, manche Sponsorengelder ebenfalls. Da läuft man schnell Gefahr, sich zu übernehmen. Aber wir schließen mit einem kleinen Gewinn ab, haben deshalb aus meiner Sicht alles richtig gemacht. Und dass wir gut wirtschaften, zeigen unser positives Eigenkapital und nicht zuletzt die erneute Vergabe der Spiellizenz für die anstehende Saison, ganz ohne Auflagen. Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings die Stagnation des Umsatzes. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau!

Wie sieht es aktuell im Sponsoren-Bereich aus?

Bis Ende Juni werden wir 80 Prozent der Sponsoren-Gelder eingeworben haben, wir sind schon relativ nah am Ziel. Es fiele natürlich leichter, wenn man nicht am unteren Ende der Sponsoring-Nahrungskette stünde, aber wir kriegen das mit unserer tollen Sponsoren-Basis auch so hin. Allerdings ist die Betreuung unserer bestehenden Unterstützer leider so zeitintensiv, dass wir für die Akquise neuer Sponsoren kaum Zeit haben. Ein weiterer limitierender faktor ist die Kapazität des VIP-Raums in der Sparkassen-Arena. Er bietet nur 200 bis maximal 250 Besuchern Platz, Anfragen haben wir jedoch für deutlich mehr. Die logische Konsequenz sind steigende Preise für die VIP- Tickets.

Warum fehlt der BG Göttingen noch der große Namenssponsor?

Basketball ist ein regionales Geschäft – überregionale Sponsoren zu gewinnen, ist da schwer. Die regelmäßigen Fernsehübertragungen ändern zwar langsam die Voraussetzungen, doch Fuß- und Handball haben noch deutlich die Nase vorn. Aber Sponsoren können bei uns zu guten Konditionen Bandenwerbung schalten, unter anderem im TV-Bereich. Dennoch haben wir vornehmlich regionale Sponsoren, die sich im Rahmen ihrer Employer-Branding-Strategie als attraktive Arbeitgeber positionieren und den Standort Göttingen stärken wollen. Und wir bieten ein funktionierendes Sponsoren- Netzwerk, in dem ernsthafte Geschäfte angeschoben werden.

Was lässt Sie besonders positiv auf die kommende Saison blicken?

Wir haben unfassbare Fans, die aus der Sparkassen-Arena einen Hexenkessel machen. Es ist kaum zu glauben, dass schnell mal 1.000 Leute zu Testspielen kommen oder uns 300 Fans zu Auswärtsspielen begleiten. Das ist sensationell. Mit Johan Roijakkers haben wir einen Trainer, dessen Spielstil zu Göttingen passt, der sich im Jugendbereich reinhängt und der an der Weiterentwicklung auf allen Ebenen mitarbeitet. Außerdem ist unsere neue Trainingshalle in Deutschland einmalig: Trainingsbereich, Kraftraum, Physiotherapie und Geschäftsstelle – alles unter einem Dach. Das wird das Zusammengehörigkeitsgefühl weiter stärken.

Was wünschen Sie sich für die kommende Saison?

Zunächst, dass wir einige der aktuellen Spieler in Göttingen halten und wieder ein starkes Team zusammenstellen können. Jetzt im Mai tut sich da kaum etwas, dafür ist es noch zu früh. Alle sondieren den Markt. Hier möchte ich den eingeschlagenen Weg der kontinuierlichen Professionalisierung fortsetzen.

Wir haben Potenzial, als Organisation noch besser zu werden. Da ich ab dem 1. Juli ausschließlich für die BG Göttingen tätig sein werde, kann ich mich voll darauf konzentrieren.

Wir werden auch an einer Umsatzsteigerung arbeiten – ich halte drei bis dreieinhalb Millionen Euro für möglich. Und: Wenn die Saison losgeht, wünsche ich mir einen mitreißenden Basketball, dass die Mannschaft vom Verletzungspech verschont bleibt und wir am Ende ein bisschen Richtung Playoffs schielen können. Letzteres wäre schon ein außergewöhnlicher Erfolg. Aber wir sollten den Ball flach halten und nicht zu hohe Erwartungen schüren.

Herr Meinertshagen, vielen Dank für das Gespräch.