Das neue Tor zur Stadt

©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Tobias Kintzel

Sparkassen-Vorstands vorsitzender Rainer Hald, Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel, EBR-Geschäftsführer Borzou Rafie Elizei und der geschäftsführende Gesellschafter der Freigeist & Friends GmbH Georg Rosentreter im Interview über ihr gemeinsames Projekt und die damit verbundene Aufwertung für das Eingangstor zur Stadt.

Es ist offensichtlich: In der Stadt Göttingen tut sich so einiges – doch eine ganz bestimmte Baustelle wirft derzeit noch zahlreiche Fragezeichen auf. An prominenter Stelle, direkt am Groner Tor gelegen, ragt seit einigen Wochen ein monumentales Gebäude in die Luft. Doch was entsteht hier eigentlich? Und welche Erwartungen sind mit diesem Projekt für die Stadt verknüpft? Die vier beteiligten Parteien – Universität, Sparkasse, Hotel FREIgeist Göttingen und Projektentwickler EBR – bringen ein wenig Licht ins Dunkel.

Frau Beisiegel, was bedeutet das ‚Forum Wissen‘ im neuen Quartier für die Universität Göttingen?

Ulrike Beisiegel: Ohne Zweifel ist das ‚Forum Wissen‘ ein Leuchtturm-Projekt für uns, aber auch für die Stadt und die Region. Wir wollen in der alten Zoologie am Bahnhof einen Ort der Begegnung mit der Atmosphäre der Wissenschaft entstehen lassen. Einen offenen Ort, der Forschende und Studierende genauso anzieht wie Schüler, Senioren oder ganze Familien. So vermitteln wir das ,Wissen- Schaffen‘ einem breiten Publikum und bieten die Rahmenbedingungen dafür, unsere akademischen Sammlungen zur interdisziplinären Forschung und Lehre nutzen zu können. Dazu werden wir das tolle Gebäude, das ja ursprünglich auch als Museum gebaut wurde, behutsam renovieren und dabei seinen Charme erhalten.

Freuen Sie sich schon auf Ihre neuen Nachbarn, das Hotel FREIgeist Göttingen und die Sparkasse Göttingen?

Beisiegel: Für uns war von Anfang an extrem wichtig, wer das Gelände neben unserem ‚Forum Wissen‘ bebauen und wer dort einziehen würde. Als wir von den Plänen der EBR hörten, waren wir sehr erleichtert. Also ja, wir freuen uns auf unsere tollen Nachbarn! Denn ich bin davon überzeugt, dass sie und die Pläne für das gesamte Quartier dazu beigetragen haben, dass wir bei der Einwerbung der Gelder für das Projekt erfolgreich waren. Es ist wunderbar, dass wir für unsere Besucher direkt neben dem Forum mit dem Hotel FREIgeist Göttingen ein Stadthotel haben werden, das sich auch international nicht verstecken muss. Ich kann mir bereits heute gut vorstellen, wie die Gäste unseres Cafés, das im Innenraum des Gebäude-Ensembles entsteht, diese Oase inmitten der Stadt gemeinsam mit den Mitarbeitern der Sparkasse nutzen werden. Wir pflegen im Dreiklang Hotel FREIgeist, Sparkasse und Universität schon jetzt eine sehr kooperative Nachbarschaft.

Herr Rosentreter, wie sieht Ihre Gemütslage aus, wenn Sie an das denken, was sich am Groner Tor mit Ihrem Hotel entwickelt?

Georg Rosentreter: Das ist eine Mischung aus Ungeduld und riesiger Vorfreude! Wir beschäftigen uns schon seit sieben, acht Jahren mit dieser Idee. Jetzt nimmt endlich alles Gestalt an. Das dritte FREIgeist, nach unseren Häusern in Northeim und Einbeck, wird ein urbanes Stadthotel, mit dem wir 50 bis 60 neue Arbeitsplätze schaffen werden. Spannend für uns ist, dass uns der Standort Göttingen und das gesamte Quartier mit seinem modernen Konzept die Möglichkeit geben, noch mutiger zu sein, viel freier zu denken.

Was bedeutet das konkret, was können Besucher von Ihrem Hotel erwarten?

Rosentreter: Die Gäste erwartet ein Hotel, das im Design Akzente setzt und sich deutlich von dem abgrenzen wird, was es bisher in Göttingen gibt. Wir arbeiten mit tollen, zum Teil weltweit aktiven Partnern zusammen und setzen als Team unheimlich viel Kreativität und Energie frei. Ein Schwerpunkt wird unsere Bar bilden, in der es für unsere internationalen Gäste, aber selbstverständlich auch für die Göttinger, speziell und individuell kreierte Cocktails und Drinks geben wird. Und mit der Küche in unserem Restaurant wollen wir natürlich auch überzeugen – das ist mindestens genauso wichtig wie die Bar und das Gesamtkonzept des Freigeist.

Herr Hald, wie ist denn die Stimmung bei Ihren Mitarbeitern?

Rainer Hald: Alle freuen sich auf den Umzug. Auf der letzten Personalversammlung haben wir einen Film über das Gebäude und das Gesamtkonzept am Groner Tor gezeigt. Da habe ich in vielen Augen ein Leuchten gesehen. Wir beziehen neue Räumlichkeiten mit besserem Raumklima und der Möglichkeit zu direkterer Kommunikation als bisher. Dazu richten wir auf allen Ebenen Ideen werkstätten und Meetingpoints für die kreative, konzentrierte Zusammenarbeit ein. Ich bin überzeugt davon, dass unsere Arbeitskultur sich hin zu noch mehr Kooperation und Gemeinsamkeit entwickeln wird. Darüber hinaus werden wir unseren Mitarbeitern gemeinsam mit Herrn Rosentreter und seinem FREIgeist-Team am neuen Standort kulinarisch etwas Besonderes bieten. Ich denke, dass mit dem Hotel FREIgeist, dem ‚Forum Wissen‘ und dem gemeinsam genutzten Innenhof ein Ort entsteht, der eine hohe Anziehungskraft haben wird – für unsere Mitarbeiter, Hotelgäste, Besucher des Forums und alle Göttinger. Hier nehmen drei Partner nennenswert Geld in die Hand, um ein auf Langfristigkeit und Werterhaltung ausgelegtes Projekt umzusetzen. Das wird eine deutliche Aufwertung für das Eingangstor zur Stadt.

Beisiegel: Davon bin ich überzeugt! Die ganze Stadt Göttingen wird davon profitieren. Sie erhält einen weiteren Ort, der nicht nur für das akademische Publikum, sondern für alle sehenswert ist, und mit dem man auch international Stadtmarketing machen kann.

Das alles klingt nach einem tatsächlichen Schulterschluss, einem gemeinsamen Vorhaben…

Borzou Rafie Elizei: Ist das nicht toll? Was können wir uns als Projektentwickler mehr wünschen als Projektbeteiligte, die an einem Strang ziehen, zusammen Lösungen suchen und finden? Mit diesem Denkansatz gehen wir in jede unserer Projektentwicklungen. Für das Areal am Groner Tor wollten wir von Anfang an ein urbanes Areal mit einem ausgewogenen Nutzer-Mix umsetzen. Für uns war klar, dass es für das etwa 7.000 Quadratmeter große, wertvolle innerstädtische Grundstück nicht gereicht hätte, nur ein Hotel zu bauen, wie es in der Aufgabenstellung der Stadt gefordert war. Am Ende konnten wir uns mit unserer Idee in der städtischen Investorenausschreibung durchsetzen. Jetzt zeigen wir, dass sich in anderen Vorhaben oft nur erhoffte Synergien tatsächlich erst dann einstellen, wenn man die richtigen Partner an einen Tisch bringt. Wir alle sind schon lange in der Abstimmung, und mittlerweile ist es ein Projekt, das in seiner Größenordnung ein Vorbild sein kann. Es ist schön, wie sich alles entwickelt hat, wie eins zum anderen kommt.

Hald: Wir als Sparkasse sind tatsächlich erst über ein Gespräch zur Finanzierung des Vorhabens dazugestoßen. Neben den erhofften positiven Effekten im Bereich der Unternehmenskultur ist es im Übrigen selbst
verständlich auch wirtschaftlich sinnvoll, unsere aktuell vier in der Stadt verteilten Standorte zu zentralisieren.

Eine abschließende Frage noch: Was wünschen Sie sich noch für das gemeinsame Quartier am Groner Tor?

Hald: Ein schon vom Bahnhof aus sichtbarer Eyecatcher wäre super. Vielleicht könnte es der Wal aus Ihrer Sammlung werden, Frau Beisiegel. Hinter einer mit blauem Licht angestrahlten Glasfassade. Beisiegel: Das kann ich mir tatsächlich auch vorstellen, besonders, wenn es mit dem neben dem Bahnhof geplanten Welcome Center für die Region gut korrespondiert. Aber besonders wünsche ich mir den Einzug im Jahr 2019 und eine gemeinsame Feier mit dem Freigeist und der Sparkasse, wenn es so weit ist! Rosentreter: Ich wünsche mir, dass es uns gelingen wird, viele Menschen in das Quartier zu ziehen und ihnen einen angenehmen, inspirierenden Aufenthalt zu ermöglichen. Ich bin sehr optimistisch, dass uns das gelingen wird. Rafie Elizei: Ich hoffe, dass wir mit dem Gesamtprojekt dazu beitragen werden, das Bild von Göttingen überregional und international zu prägen!

Vielen Dank für das Gespräch!