Das betrifft uns alle

©Alciro Theodoro da Silva
Text von: redaktion

Ungewöhnliches Thema in ungewöhnlicher Location – die 26. faktor-Business-Lounge schuf eine besondere Atmosphäre.

Es war eine außergewöhnliche Atmosphäre an diesem Abend des 22. November im pro office Coworking Space. Das kreative Ambiente wirkte sich unmittelbar auf die rund 100 Teilnehmer der 26. faktor-Business- Lounge in Kooperation mit der Universitätsmedizin Göttingen aus und sorgte für Offenheit bei einem Thema, das auf den ersten Blick ungewöhnlich ist für eine Business-Veranstaltung: ,Demenz. Aussichten und Herausforderungen einer Krankheit‘. Der Göttinger Forscher André Fischer sprach gemeinsam mit seinem Kollegen Wolfgang Hoffmann über die Herausforderungen der Forschung und die Erwartungen an die kommenden Jahre. Die beiden Demenz-Experten des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) stellten zunächst ihre jeweiligen Forschungsschwerpunkte vor und standen im Anschluss für Fragen zur Verfügung.

André Fischer, Leiter des DZNE in Göttingen, erläuterte die medizinischen Ursachen einer Demenzerkrankung und erklärte die Wirkungsweise aktueller Behandlungsmethoden. „Es gibt bereits viele Möglichkeiten, das Fortscheiten einer Demenz zu verhindern“, so Fischer. „Nun suchen wir nach Möglichkeiten einer früheren Prognose, ganzheitlichen Heilmethoden und effizienter Prävention.“ Der Mediziner rät dazu, eine vorbeugende ,kognitive Reserve‘ aufzubauen, sodass für den Fall einer Demenz genug „Puffer“ vorhanden ist, um die Auswirkungen der Krankheit zu spüren. „Unser Gehirn ist so plastisch, dass es kognitive Einschränkungen sehr lange kompensieren kann.“

Wolfgang Hoffmann hingegen betrachtete die gesellschaftlichen Aspekte der Krankheit, insbesondere die Verbesserung der pflegerischen Versorgung. Sein Konzept des DementiaCare-Managements hat in der Testphase in Mecklenburg-Vorpommern bereits erste Erfolge erzielt: Durch die professionelle Begutachtung der Experten konnten 30 Prozent mehr bewilligte Anträge auf Pflegestufe ermöglicht werden. Darüber hinaus stellte der Sprecher des DZNE Rostock/Greifswald eine verbesserte öffentliche Wahrnehmung fest. „Bei Krebs hat es 30 Jahre gedauert, bis man sich getraut hat, öffentlich über die Erkrankung eines Familienmitgliedes zu sprechen. Bei Demenz sind wir da schon viel weiter. Das ist gut“, sagt Hoffmann. „Denn direkt oder indirekt: Es betrifft uns alle.“

Und so wurde das Thema auch im Anschluss an die Vorträge rege und offen weiterdiskutiert. Das Buffet von Sternekoch Daniel Raub bot dabei ebenso viel Anreiz zum Verweilen und für weitere Gespräche wie die vielen ausgefallenen Sitzmöglichkeiten der Location – wie Filzkissen in Felsbrockenoptik oder auch eine Ski-Gondel.